Digitale Telepathie
Gedankenübertragung per Mail
11.03.2007
Sicherlich hatten die Wissenschaftler des PEAR andere Vorstellungen davon, was aus ihren Forschungsergebnissen einmal im Alltag werden könnte. 30 Jahre lang suchten sie nach Beweisen für das, was wir als aussersinnliche Ereignisse bezeichnen und was von den meisten Wissenschaftlern als nicht beweisbar und damit nicht forschungswürdig angesehen wird. Die Labormanagerin Brenda Dunne beschrieb das Arbeitsgebiet deshalb recht vorsichtig als »Suche nach Anomalien in der Interaktion zwischen Mensch und Maschine« aber auch danach »ob der Mensch durch sein Bewusstsein die Prozesse einer Maschine beeinflussen kann.«
Und genau das scheint nunrealisiert zu werden, in einer Branche allerdings, die mit Wissenschaft und Forschung eher selten in Verbindung gebracht wird. Das wiederum sehr zu Unrecht, da in der ganzen Geschichte –und nicht nur im Abendland– eine Menge Forschungsergebnisse und Technologien zuerst im Unterhaltungsbereich angewendet wurden. Dampfmaschinen und Roboter fallen mir ein, auch die Elektrizität, wurden zunächst als Freizeitvergnügen und Jahrmarktskuriositäten genutzt, was ja kein Nachteil sein muss, wie man an diesen Beispielen sieht (dazu bei Gelegenheit mehr unter jtp.de/zentral/revision.)
Helm mit Hirnkontakt
Die Firma emotiv stellte auf der vergangenen Spielekonferenz unter dem Namen Project Epoc einen Helm vor, der mit EEG-Sensoren Hirnströme seines Trägers registrieren und offenbar auch soweit verstehen kann, daß er diese Signale in Steuerbefehle umsetzen kann.

In einigen Videos bei Golem kann man diesen Helm in Aktion sehen. Das sieht noch sehr zauberhaft aus, wie der User mit geschlossenen Augen und langsamen Handbewegungen wie Merlin eine Art digitales Stonehenge auf dem Monitor wachsen lässt. Dieser Effekt kommt allerdings vor Allem daher, daß der Helm noch etwas begriffstutzig zu sein scheint und der Spieler ihm die Befehle wohl gedanklich zuschreien muß.
Daß die Entwickler ihre Denkkappe für Computerspiele zuerst herausbringen wollen, hat mehrere, gute Gründe: Gamer sind offen für Gadgets und geben eine Menge Geld dafür aus, sie haben kräftige Rechner und die erforderlichen Steuerfunktionen sind meist überschaubar. Der ideale Markt also, um schnell grössere Stückzahlen abzusetzen und eine kritische Masse an Anwendungen von Fremdentwicklern zu bekommen.
Sicherlich gibt's auch Gespräche mit Vertretern der Rotlichtindustrie: die Hirnsignale beim Sex dürften mit die stärksten sein, die sich messen lassen und für die Verbreitung neuer Medien war diese Branche schon immer gut.
BMS der Brain Message Service
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L-u-s-t- - a-u-f- -P-i-z-z-a- -h-e-u-t-e- -a-b-e-n-d-? dachte er und schaltete sein Handy mit B-M-S-absenden wieder in Standby.
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Mit einem ähnlich überschaubaren Befehlsvorrat könnte dann auch eine Alltagsanwendung mit dieser Technik vereinfacht(?) werden, die heute noch zu Sehnenscheidenentzündung und Handydaumen führt: Die Textkommunikation. Was auf dem Mobiltelefon mit zwei, drei Menubefehlen und 12 Tasten möglich ist, sollte doch mit der Denkkappe auch machbar sein.
Output
Das wird nicht so funktionieren, wie man sich die analoge Gedankenübertragung vorstellt, daß man also einfach »das denkt«, was man seinem Adressaten übermitteln möchte, eher so, wie das SMS-Schreiben mit einzeln identifizierbaren Denkbefehlen und wie beim Diktieren mit einem Spracherkennungsprogramm. Das nehmen die Sensoren im Helm auf und geben es an das Mailprogramm oder das Handy weiter, das die Nachricht dann wie jetzt über ein Datennetz schickt.
Input
Der umgekehrte Weg, der Empfang der Botschaft, wird wohl noch lange auf die alte Art funktionieren, also als Text auf dem Display oder auch vorgelesen vom Computer. Welche Technik erforderlich wäre, die Nachricht ohne Umweg über die Sinne in den Kopf zu bekommen, ist im Moment noch keine reizvolle Vorstellung: Drahtsonden und Trepanation, magnetische Felder, Induktion… Alles eher unappetitlich.
Wirklich elegant wird es, wenn die Übertragung der Daten dann einmal mit Quantenkommunikation funktioniert: Alles in Echtzeit – bis nach Alpha Centauri, keine löchrigen Mobilfunknetze (und keine gierigen Netzbetreiber) und das ganze auch noch abhörsicher.
Klingt unwahrscheinlich? Es wird noch etwas dauern, aber die Grundlagen dafür gibt's schon:
Links
SZ-Artikel zur Schließung des PEAR-Instituts
Golem Artikel zur GDC
Golem-Video: Emotivs "Denkkappe" in Aktion
emotiv
Quantenkommunikation
der aktuelle Stand des maschinellen Gedankenlesens
BCI-Lab an der TU-Graz
Brain Device Moves Objects by Thought:
»…Underlying Hitachi's brain-machine interface is a technology called optical topography, which sends a small amount of infrared light through the brain's surface to map out changes in blood flow…«
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